Spürst Du Verlustangst, zum Beispiel dahingehend, Deine*n Partner*in an eine/n anderen zu verlieren?

Das war bei mir auch so. Und als ich es dann meinem Mann erzählt hab’, sagte er mir, dass es ihm genauso geht. Letztendlich haben wir uns intensiv ausgetauscht und haben unser damaliges Beziehungskonzept analysiert und neu gestaltet.


Die Gedanken kreisen ständig um dasselbe Thema

Ich glaube, die Angst vor Verlust oder Trennung in uns wird immer größer, wenn unsere Gedanken ständig um das gleiche Thema kreisen, und es dadurch verstärken. Damit meine ich, wenn einem bei jeder Gelegenheit Sätze wie diese hier einfallen:

„ Die Nachbarin hat gerade ihren Ehemann an eine Affäre verloren“

oder

„Im Büro wird getuschelt, der Chef wäre deshalb oft so gereizt, weil seine Frau einen anderen hat.“

Vielleicht fallen Dir auch Sätze ein wie

„Du bist doch ein Mann! Das musst Du hinbekommen, sonst finden Frauen Dich unsexy!“

Bei diesem Beispiel läuft quasi die Bewertung über die Kenntnisse und Fähigkeiten.

„Pass schön auf Deinen Mann auf, sonst kommt eine Jüngere, und dann hast Du den Salat!“

Hier läuft die Bewertung darüber, dass ein älterer Mensch weniger attraktiv wirke als ein jüngerer.

Unser Verstand läuft leider viel zu oft wie ein Bewertungscomputer ab. Im Endeffekt ist er nichts anderes wie eine Festplatte. Wir kommen ohne ein „In-gut-und-schlecht-Einteilungssystem“ zur Welt und können uns die ersten Lebensjahre an allem erfreuen und mit allem spielen.

Und dann wird diese saubere Verstand-Festplatte mit so manchem Zeug bespielt, was uns nicht nur nicht nützlich ist, sondern auch noch schaden kann. Zum Beispiel solche Sätze, die einem Angst vor einer unsicheren Zukunft machen. Dadurch hat man ständig das Gefühl, auf der Hut sein zu müssen, anstatt den aktuellen Augenblick genießen zu können.


In Zwiegesprächen ein für jeden passendes Commitment vereinbaren

Mein Vorschlag:

Verabrede Dich mit Deiner/m Partner*in zu Zwiegesprächen und vereinbart ein Commitment für eure Beziehung, mit dem ihr euch beide wohl fühlt.

In einem Zwiegespräch bleibt derjenige, der gerade am Reden ist, bei sich. Er erzählt, was ihn momentan bewegt, was ihn berührt, was angeschaut oder geklärt werden will. Es gibt keine Vorwürfe oder Bewertungen. Derjenige, der zuhört, hört zu, ohne zu unterbrechen. Aus eigener Erfahrung weiß ich sehr gut, dass beides nicht unbedingt leicht ist. Doch mit ein bisschen Übung gelingt es. Ein gutes Maß für einen solchen Austausch sind ca. 1,5 Stunden insgesamt, es soll für jeden genug Zeit geben.

Commitment ist ein englisches Wort, für das es keine wirklich passende deutsche Übersetzung gibt. Es steht für eine Mischung aus diesen Begriffen: Verbindlichkeit, Verbundenheit, bindende Zusage, Leistungsbereitschaft, Festlegung, Engagement, Einsatz, Verpflichtung und Selbstverpflichtung.

„Ein Commitment vereinbaren“ bedeutet für mich, darüber reden, wo der Schuh drückt, seine Gefühle und Wünsche, Sorgen und Bedenken offenlegen und dann eine Vereinbarung finden, die möglichst viel abdeckt und mit der beide gut leben können. Diese bindende Zusage gilt dann entweder für eine bestimmte Zeit oder solange, bis einer der Partner Bedarf verspürt, die Regeln, zu denen er sich verpflichtet hat, ändern zu wollen.

Hier kann man Abmachungen für jeden Lebensbereich treffen, konkret möchte ich auf das Thema „Fremdgehen“ eingehen.

Mein Mann und ich konnten beide eine gewisse Affären-Affinität nicht leugnen. Zudem hatten wir beide Angst, wenn wir eine intime Begegnung außerhalb unserer Beziehung komplett verbieten, dass der Fall dann womöglich irgendwann eintritt, wenn man gerade überhaupt nicht damit rechnet. Und dann leidet man oder man lügt. Oder beides.

Insofern haben wir nach ca. 2 Jahren monogamer Beziehung vereinbart, dass ein/e Außenpartner*in kein Scheidungsgrund sein wird.


Von der Monogamie zur offenen Beziehung

Irgendwann haben wir nach vielen Gesprächen und Abwägen die Abmachung getroffen, eine offene Beziehung zu leben, da wir beide nicht monogam, sondern polyamor fühlen. Wenn Du über Polyamorie mehr erfahren möchtest, kommst Du hier zu meinem Blogbeitrag „Monogam oder doch eher polyamor?“.     

Dieses neue Beziehungs-Konzept hat für uns – zumindest anfänglich – immer mal wieder für ein Chaos der Gefühle gesorgt. Im Endeffekt haben wir uns der kindlichen Prägung auf die in unserer Kultur üblichen Monogamie entzogen. Es hat sich gelegentlich wie ein Entzug angefühlt. Ich hatte hin und wieder das Gefühl, nicht mit mir allein sein zu können, wenn mein Mann eine andere Frau getroffen hat. Es fühlte sich in diesem Fall so an, als ob mein Leben vom DA-Sein meines Partners abhängig wäre. Wenn er mit Freunden wandern geht, fühlt es sich völlig unproblematisch an.

Unter anderem hat mir der Aspekt, dass es für andere Völker völlig normal ist, mit mehreren Partnern parallel in Kontakt zu sein, geholfen, entspannter mit weiteren Beziehungspartnerinnen von meinem Mann umzugehen.

Ich habe meine Kindheit in monogamer Prägung erlebt. In anderen Völkern wird völlig anders damit umgegangen. Es ist für diese Menschen so in Ordnung und wird nicht als schlecht in Frage gestellt.

Bei uns kommt die negative Bewertung von Affäre oder Seitensprung durch den kulturellen Rahmen der Monogamie, genauer gesagt der seriellen Monogamie. Um uns herum sehen wir als Kinder im allgemeinen Paare. Wenn wir in einer Stadt wohnen, vielleicht mal ein gleichgeschlechtliches Paar. Und dann sehen wir auch mal einen ehemaligen Beziehungspartner eines ehemaligen Paares mit einer anderen Person Hand in Hand laufen. Das ehemalige Paar zeigt sich nicht mehr in dieser Art miteinander. Das nennen wir dann serielle Monogamie, exakt geregelt, eine/r nach der/dem anderen. Die neue Beziehung löst die alte ab, es gibt (zumindest offiziell) kein parallelen Begegnungen.

Was wir in der Kindheit wahrnehmen, prägt uns, und wir haben die Tendenz, unsere kindliche Prägung zu leben. Wenn dann Gefühle für einen anderen Menschen entstehen, die gerade nicht sein dürfen, weil wir ja bereits „vergeben“ sind, lässt uns das innerlich ganz schön Achterbahn fahren.

Der Wunsch nach Nähe zu einer neuen Person mindert nach meiner Erfahrung die Liebe zu dem aktuellen Beziehungspartner*in nicht, solange wir nicht anfangen, uns dafür zu verurteilen und uns selbst zu begrenzen. Wir sind in der Lage, mehrere Menschen zu lieben, doch sobald das bei Erwachsenen geschieht, kommt ganz schnell Verlustangst in uns auf.

Wenn wir ein zweites Kind bekommen, wird niemand fragen, ob wir in der Lage sind, das erste Kind weiterhin zu lieben. Unsere Umgebung freut sich mit uns und hegt keinen Zweifel daran, ob Mama und Papa auch wirklich genug Liebe dafür in sich tragen.


Steckt Deine Beziehung gerade wegen einer Affäre in einer Krise?

Wenn Deine Beziehung gerade in einer Affäre steckt und Du in Verbindung bleiben möchtest, doch alles an Dir zieht und zerrt, dann gib Dir genügend Zeit.

Ein Seitensprung oder eine Affäre müssen nicht das Ende einer Partnerschaft sein. Dadurch entstehen üblicherweise Verunsicherung und Zweifel, ob ein gemeinsamer Weg noch möglich sein wird, oft gibt es Vorwürfe von dem „betrogenen“ Partner.

Doch es kann auch eine Chance sein, in der Partnerschaft zu neuer Tiefe und Lebendigkeit zu gelangen, was letztendlich oft auch zu einem ehrlicheren Umgang miteinander führt.

Dadurch können die Bedürfnisse des einzelnen zukünftig angeschaut und auch erfüllt werden.

Denn was ist, wenn einer der beiden sich nach viel Nähe sehnt und oft kuscheln möchte und der andere Partner nur selten?

Oder wenn einer der beiden oft oder anders als bisher Sexualität leben möchte und der andere Partner deutlich weniger? Oder sogar nie? Oder einer fühlt heterosexuell und der andere bisexuell?

Eine schwierige Situation.


Sexualität in einer langjährigen Beziehung

Was die Sexualität anbelangt, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass beide Partner im Laufe ihrer Beziehung immer die gleiche Art und Häufigkeit an sexuellem Erleben wünschen, nicht wirklich sehr hoch. Zudem wandelt sich das anfänglich neue Gefühl des Verliebtseins zu Beginn einer Beziehung mit der Zeit in tiefe Verbundenheit und Vertrauen. Doch Erotik lebt nun mal vom Neuen, von unbekannten Reizen.

Nach einer Affäre kann im Endeffekt nur ein offener und ehrlicher Umgang mit den Bedürfnissen beider Partner eine neue Basis schaffen. Dazu ist es wichtig, sich seine Gefühle und Wünsche mitzuteilen, sich quasi dem Partner wirklich mit allem, was gerade da ist, zu zeigen. Dann besteht die Möglichkeit eines Neubeginns. Mit der Zeit kann sich so eine neue Ebene entwickeln, und es wird sich zeigen, ob das Paar miteinander wieder tief in Verbindung gehen kann, und Vertrauen wieder entsteht oder ob es besser ist, getrennte Wege zu gehen, da es keine gemeinsame Basis mehr gibt.


Intime Begegnungen ohne Sexualität

Vielleicht ist Dir schon mal ein Situation widerfahren, die zutiefst berührend war, ohne, dass dabei Sexualität im Spiel war. Zum Beispiel ein ganz tiefer Blick in die Augen eines anderen Menschen. Oder eine intensive Umarmung.

Ein weiterer gemeinsamer Weg mit einem Partner*in, der eine Affäre oder einen Seitensprung hatte, kann einfacher werden, wenn wir es schaffen, der sexuellen Intimität im Vergleich zu anderen intimen Begegnungen weniger Bedeutung beizumessen.

Es gibt Völker, für die Fremdgehen nicht existiert. Siehe dazu den Blogbeitrag über die Mosuo in China: Sie leben nicht monogam, parallele Begegnungen sind hier erlaubt.


Bücher, die sich mit der Thematik beschäftigen:

 

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Hier ein Buch über Zwiegespräche:

 

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Hier ein Link zu den Büchern und der Homepage von Michael Mary

http://www.michaelmary.de/buecher.htm